Tausende Mitwisser im VW-Skandal vermutet

Es wird weiter geschwiegen

 

Der Volkswagen-Konzern behauptet, dass nur einige Mitarbeitern von den Manipulationen an Dieselmotoren wussten und die Konzernspitze sogar sehr spät darüber informiert wurde. Anwälte halten tausende Mitwisser für realistisch und suchen Whistleblower für eine mögliche VW-Sammelklage.

Noch immer funktioniert das Bollkwerk des VW-Konzerns gegen Schadenersatz für Volkswagen-Aktionäre. Die aktuelle Führungsriege hat angeblich wie auch Martin Winterkorn von den Manipulationen spät erfahren und will so Schadenersatz für Volkswagen-Aktionäre abwenden. Ein Verbund von Anwälten prüft diese Angaben nun und möchte mittels einer Plattform Whistleblower finden, die Insiderwissen preisgeben. Zu diesen Anwälten, die Angaben des Volkswagen-Konzerns für unglaubwürdig halten, gehört auch Julius Reiter als Gründungspartner der Kanzlei Baum Reiter und bezieht sich auf Informationen, die ein VW-Interner gegenüber der niederländischen Stiftung Stichting Volkswagen Car Claim gemacht hat.

Die Kanzlei Reiters vertritt über 2.000 vom Skandal Betroffene im Schadenersatz für Volkswagen-Aktionäre und auch die niederländische Stiftung, die stellvertretend für 180.000 betroffene VW-Kunden – unter denen sich auch 20.000 Deutsche befinden – gegen niederländische VW-Händler sowie den Zulieferer Bosch innerhalb der Niederlande vertritt.

Schadenersatz nach niederländischem Recht möglich

Zwecks Beweismaterialsicherung für Schadenersatz für Volkswagen-Aktionäre hat die Kanzlei gemeinsam mit den Anwälten von Gansel Rechtsanwälte eine Anlaufstelle für Whistleblower, die anonyme Informationen liefern möchten, eine Website erstellt, um das konsequente Schweigen zu durchbrechen. Hierher können interne Dokumente, Datenbankauszüge und Verträge vertrauensvoll gesandt werden, so Reiter. Dazu steht Gerhard Baum als ehemaliger Bundesminister für die Whistleblower als Ansprechpartner zur Verfügung.

Die Whistleblower-Plattform dient der Beweissammlung, um den Betrugsverdacht zu erhärten, dazu sollen drohende Verjährungen unterbrochen werden, wie Reiter erklärt. Ansprüche gegen die VW-Händler verjähren zum Ende des Jahres und die gegen den VW-Konzern für Schadenersatz für Volkswagen-Aktionäre zum Ende 2018.

Medienberichte hatten zuletzt weitere Zweifel an den Argumentationen des VW-Konzerns gestreut, dass erst das Aufdecken der Dieselaffäre im September 2015 dieser von den manipulierten Stickoxidwerten erfahren habe. Die Bild am Sonntag berichtete, dass der frühere VW-Chef Martin Winterkorn zumindest zwei Monate vor der Veröffentlichung des Skandals von den Manipulationen wusste. Dies ergab sich aus Zeugenbefragungen, interne E-Mails sowie FBI-Berichte.

Stichting Volkswagen Car Claim stellt gegenüber VW Forderungen in Höhe von vier Milliarden Euro als Wiedergutmachung für Geschädigte. Nach niederländischem Recht ist für Schadenersatzansprüche eine VW-Sammelklage möglich, die auch ausländische VW-Käufer nutzen können.

 

Weitere Infos finden Sie unter https://www.vw-verhandlung.de