PROVEN OIL CANADA – AUSZAHLUNGEN AN ANLEGER GESTOPPT

hoffnungBei den Fonds des Berliner Emissionshauses POC – Proven Oil Canada eskaliert laut einem aktuellen Bericht der WirtschaftsWoche eine seit Monaten schwelende Krise (http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/krise-von-proven-oil-canada-eskaliert-oelbarone-in-not/9544604.html). Die Auszahlungen an die meisten Anleger der geschlossenen Fonds von Proven Oil wurden kürzlich gestoppt.
Die WirtschaftsWoche hatte schon zuvor mehrfach kritische Berichte über Proven Oil Canada veröffentlicht. Dabei wurde auch baum reiter & collegen um Einschätzungen zu rechtlichen Fragestellungen gebeten.
Wie wir bereits gegenüber der Wirtschaftswoche erklärt haben, arbeitet baum reiter & collegen nun mit unabhängigen Wirtschaftsprüfern zusammen, um die Bücher der Kommanditgesellschaften einzusehen und zu überprüfen. Mit einer eigenständigen Überprüfung soll erreicht werden, ein belastbares Bild von der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation der Fondsgesellschaften zu erhalten.
Derzeit ist die Situation aufgrund von unklaren bzw. unvollständigen Erklärungen der Geschäftsführung von POC in vielen Punkten nebulös. In den auf die Veröffentlichungen der WirtschaftsWoche folgenden rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen POC und dem Wirtschaftsmagazin hat das Landgericht Hamburg jedoch bereits festgestellt, dass „hinreichende Anknüpfungstatsachen“ dafür vorliegen, Proven Oil Canada als „fragwürdiges Abkassiermodell“ zu bezeichnen. Dem von POC gestellten Antrag, dem Magazin diese Formulierung zu untersagen, gab das Gericht entsprechend nicht statt, wie die WirtschaftsWoche nach der Entscheidung mitteilte (http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/geschlossene-fonds-das-abkassiermodell-proven-oil/7938478.html).
Über die Proven Oil–Fonds sammelten die Initiatoren rund 350 Mio. Euro ein. An den Fonds beteiligten sich 14.000 Anleger, welche zumeist mit Ausschüttungen von 12% gelockt worden sind. Die Fonds sollen sich über kanadische Objektgesellschaften an Öl- und Gasquellen in Kanada beteiligen, um so die versprochene Rendite zu erwirtschaften.
Dabei handelt es sich insbesondere um die Fonds:
• POC Eins GmbH & Co. KG
• POC Zwei GmbH & Co. KG
• POC Growth GmbH & Co. KG
• POC Growth 2. GmbH & Co. KG
• POC Growth 3 Plus GmbH & Co. KG
• POC Growth 4. GmbH & Co. KG
• POC Natural Gas 1 GmbH & Co. KG
• POC Oikos GmbH & Co. KG
Inzwischen hat die Geschäftsführung für nahezu alle Fonds die Auszahlungen gestoppt.
Das undurchsichtige Firmengeflecht und die von der Wirtschaftswoche vermutete Verwicklung des Großpleitiers Jürgen Hanne, der schon in den 90er Jahren Gelder von Anlegern in erheblichem Umfang vernichtete, ließen Zweifel an der Seriosität der POC-Anlagen aufkommen (http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/geschlossene-fonds-schmierige-geschaefte-mit-kanadischem-oel/7586116.html).
Seit 2012 beobachten wir die Entwicklungen um die Proven Oil Gruppe kritisch. Gegenüber der WirtschaftsWoche haben wir erhebliche Bedenken geäußert, ob die bereits erfolgten Ausschüttungen von erwirtschafteten Gewinnen gedeckt sein können. Bezeichnenderweise hat sich die Geschäftsführung auch auf mehrfache Nachfragen hin nicht bereit erklärt, Abschriften eines testierten Jahresabschlusses der Objektgesellschaften zu übermitteln. Allein eine uns damals vorliegende nicht testierte Bilanz ließ bereits erkennen, dass den Anlegern nur zum Teil tatsächlich erwirtschaftete Gewinne ausgeschüttet worden sein können.
Welchen Wert die Beteiligungen der Anleger in Anbetracht der Mitte 2013 erfolgten Zusammenlegung der Kanadischen Zielgesellschaften zu einer Master LP haben, ist unklar. Die Zusammenlegung hat die Geschäftsführung mit der Nutzung von Synergieeffekten angepriesen. Demnach sei beabsichtigt, kleinere Öl- und Gasquellen zu veräußern und die Kerngebiete auszubauen. Es ist allerdings dem jüngsten Bericht zufolge nicht auszuschließen, dass mehrere der angeblichen Kerngebiete zum Verkauf angeboten wurden.
Hinzu kommt, dass die Beschlussvorlage vorsah, dass die Geschäftsführung zu Aufnahme von Darlehen berechtigt sein soll. Es ist sehr zweifelhaft, ob nach einer vorrangigen Befriedigung der Kreditinstitute am Ende etwas für den Anleger übrig bleibt bzw. wie viel. Insbesondere steht zur Befürchtung, dass die bereits erfolgten Ausschüttungen zurückgefordert werden, weil sie nicht von Gewinnen gedeckt waren. Ein Gutachten der kanadischen Ingenieurfirma Sproule Associates könnte Aufschluss über den Marktwert der in Kanada erworbenen Quellgebiete geben, wird aber laut dem jüngsten Bericht der WirtschaftsWoche von der POC-Geschäftsführung unter Verschluss gehalten.
Was sollten Anleger jetzt unternehmen?
Anleger sollten fachanwaltliche Beratung einholen. In Anbetracht der sich nunmehr zuspitzenden Lage ist den Anlegern zu raten, ihre Interessen zu bündeln und die Geschäftsleitung unter Druck zu setzen, endlich Klarheit zu schaffen. Die Geschäfte bleiben andernfalls undurchsichtig. Der Einblick in die Geschäftsbücher mit Hilfe von Wirtschaftsprüfern ist ein legitimes Recht des Kommanditisten.
Sollten Sie Fragen haben und Rat von Fachanwälten für Bank- und Kapitalmarktrecht wünschen, kommen Sie gerne auf uns zu. Als Ansprechpartner steht Ihnen Herr Rechtsanwalt Markus Schmitz unter kanzlei@baum-reiter.de oder 0211/836 805 70 zur Verfügung.