Milliardenprozess gegen die Volkswagen AG hat begonnen

Am Montag, 10.09.2018, begann um 10 Uhr vor dem Oberlandesgericht Braunschweig ein Mammutprozess  gegen den VW-Konzern: Etwa 2000 Aktionäre klagen insgesamt 9,5 Milliarden Euro Schadensersatz für die Kursverluste ein, die sie im Zuge des Abgasskandals erlitten haben. Die Anleger werfen VW vor, über die Abgasmanipulation nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Was war passiert: Am 18. September 2015 legte die US-Umweltbehörde den Abgasskandal rund um den Volkswagen-Konzern offen. Die Aktie brach daraufhin um etwa 20 Prozent ein, VW verlor an nur einem Tag ganze 15 Milliarden Euro seines Börsenwertes. Der Konzern bezog zum Abgasskandal erst am darauffolgenden Tag Stellung, zum Schaden für tausende Anleger, deren Aktien auf einen Schlag massiv an Wert verloren.

Seit dem 10.09.2018 läuft nun ein sogenanntes Kapitalanleger-Musterverfahren vor dem Oberlandesgericht Braunschweig, in dem die Klagen der einzelnen Aktionäre gebündelt wurden. Geführt wird das Verfahren durch eine Musterklägerin, namentlich die DEKA Investment. Ziel des Verfahrens ist die abschließende Feststellung von Tatsachen sowie die Entscheidung über rechtliche Streitpunkte. In erster Linie wird die Frage zu beantworten sein, zu welchem Zeitpunkt die Geschäftsleitung der VW AG Kenntnis von dem Einsatz der Software zur Abgasmanipulation hatte. Im Besonderen wird es hier auf die Kenntnis des damaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn ankommen.

Die Kläger werfen dem VW-Konzern vor, bereits seit 2008 gewusst zu haben, dass die Abgasgrenzwerte nicht legal eingehalten werden können. Je früher der Konzern seine Machenschaften offengelegt hätte, desto geringer wären auch die Verluste der Anleger ausgefallen: VW hat viel zu spät informiert und seine Aktionäre damit ins offene Messer laufen lassen. VW wehrt sich bekanntermaßen gegen die Vorwürfe lediglich mit dem nicht ganz glaubhaften Argument, die Vorstandsetage habe erst im September 2015 von den Abgasmanipulationen erfahren. Sie hätten ihre Anleger daher nicht eher informieren können.

Aufgabe des Gerichtes ist nun, die vorgenannten konträren Behauptungen zu überprüfen und die tatsächlichen Geschehnisse aufzuklären. Hierzu sind für das laufende Kalenderjahr zunächst 13 Verhandlungstage angesetzt. Wie lange sich das Verfahren insgesamt hinziehen wird, ist zurzeit nicht schätzbar.

Die auf Kapitalanlegerecht spezialisierte Anwaltskanzlei Baum Reiter & Collegen vertritt eine Vielzahl von geschädigten VW-Aktionären. Zur Vertretung der Interessen waren wir zum Prozessauftakt in Braunschweig vor Ort. Der Start des Kapitalanleger-Musterverfahrens ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der Abgasmanipulation im Volkswagenkonzern. Berechtigterweise machen die geschädigten Aktionäre ihre Schadensersatzansprüche geltend. Dem weiteren Verfahrensgang vor dem Oberlandesgericht Braunschweig wird positiv entgegengesehen.