GERMANWINGS ABSTURZ

Dirk70 _ photocase.deAmerikaner bekommen zehnfache Abfindung

Interview mit Prof. Dr. Reiter im EXPRESS

Die Opfer der Germanwings Katastrophe werden wohl im Sommer beigesetzt. Es steht zu erwarten, dass in Kürze über mögliche Entschädigungen für die Hinterbliebenen gesprochen werden wird. Die Angehörigen der drei US-Bürger, die bei dem Absturz ums Leben gekommen sind, können mit höheren Entschädigungen rechnen. Dazu befragte der Sonntag-EXPRESS Fachanwalt Prof. Dr. Julius Reiter von der Kanzlei baum reiter & collegen.

 

Die Lufthansa hat eine Rückstellung von 300 Millionen Euro für etwaige Entschädigungen gebildet. Wie beurteilen Sie die Höhe dieser Rückstellungen?

Prof. Dr. Julius Reiter: „Ob dieser Betrag ausreicht, wird sich erst nach Hochrechnung des Gesamtschadens zeigen.“

In den USA erhalten die Angehörigen in der Regel das zehnfache der Summen, die in Deutschland üblich sind. Wieso?

Prof. Dr. Julius Reiter: „Ein Unterschied besteht insbesondere in der Höhe des zugesprochenen Schmerzensgelds für körperliche und seelische Belastungen. In Amerika ist man der Ansicht, dass Schmerz mit Geld aufgewogen werden kann. Zudem sind die Sozialsysteme unterschiedlich. Verlorenes Einkommen wird in Deutschland besser aufgefangen als in den USA.Die Lufthansa als renommierte Fluggesellschaft muss nun für einen fairen Ausgleich der bestehenden Unterschiede sorgen. Ich werte Schmerzensgeldzahlungen zudem als wichtige Geste desjenigen, der für das Leid verantwortlich ist. In Deutschland gibt es für die Bemessung von Entschädigungen feste Parameter. Dazu gehören z. B. finanzielle Lasten, Verdienstausfälle und alle sonstigen Vermögensschäden wie etwa nun ausbleibende Unterhaltszahlungen. Hinzu kommen können Kosten für Ärzte und Psychologen zur Behandlung der Hinterbliebenen. Zusätzlich schuldet die Lufthansa den Hinterbliebenen Schmerzensgeld für körperliche und seelische Schäden.“

Kann die Lufthansa einen Teil der Entschädigungen bei der Familie des Co-Piloten einfordern?

Prof. Dr. Julius Reiter: „Nein. Direkte Ansprüche gegen die Hinterbliebenen des Co-Piloten bestehen grundsätzlich nicht.“

 

Quelle: Express vom 12. April

Der Beitrag im EXPRESS stammt von Gerhard Voogt und Christian Wiermer.