Enkel-/Polizeitrick – Die Bank in der Pflicht

Ob nun Enkeltrick oder Polizeitrick, wesentlicher Bestandteil dieser Betrugsmaschen ist die Barabhebung in der Bank. Und in diesem Punkt ist insbesondere die Verantwortung der Banken zu hinterfragen.

Es kann nicht sein, dass älteren Menschen, die ansonsten pro Woche rund zweihundert Euro abheben, auf einen Schlag fünf-, zehn- oder gar zwanzigtausend Euro ausgehändigt werden. Bemerkt ein Bankmitarbeiter, dass der Kunde Opfer eines Betrugs sein könnte, ist der Bankmitarbeiter in der Pflicht, den Erfolg des Betrugs zu verhindern.

Zwar ist es richtig, dass die Bank grundsätzlich die Weisungen des Kunden zu befolgen hat. Diese Pflicht besteht jedoch dann nicht, wenn der Bankmitarbeiter erkennt, dass der Kunde einem Irrtum unterlegen ist und sich mit seinem Handeln selbst schädigt. In diesen Fällen sind Banken zu Warnungen und Hinweisen gegenüber dem Kunden verpflichtet.

Enkel- und Polizeitrick sind kein neues Phänomen, sondern seit Jahren trauriger Alltag. Regelmäßig informiert die Polizei vor dieser Betrugsmasche, z.B. mit Merkblättern für Banken. Experten sprechen von über einer Million registrierter Fälle. Es ist davon auszugehen, dass den Bankmitarbeitern das Prozedere bestens bekannt ist. Kommt nun ein Senior in die Bank und bittet, völlig untypisch, um Aushändigung einer hohen Summe in Bar, liegen bereits alle Voraussetzungen eines dringenden Verdachts vor. Mit den richtigen Rückfragen ist es für die Bankmitarbeiter ein Leichtes zu erforschen, was hinter dem Auszahlungswunsch steckt. Im Zweifel sollte ein Bankmitarbeiter für den Moment die Auszahlung verweigern.

Der Bankmitarbeiter muss auch nicht fürchten, sich dem Vorwurf eines besonders schlechten Kundenservices auszusetzen oder gar für die verweigerte Auszahlung in die Haftung genommen zu werden. Denn größere Bargeldabhebungen müssen bei Banken im Vorfeld angezeigt werden. Einen Anspruch auf taggleiche unbegrenzte Bargeldauszahlungen hat der Kunde nicht. Denn nicht immer sind bei Banken die gewünschten Bargeldreserven vorrätig. Ein Bankkunde, der unangemeldet eine hohe Bargeldauszahlung fordert, muss immer damit rechnen, auf den nächsten Tag vertröstet zu werden.

Die Banken machen es sich hier zu einfach. Die Bank ist, speziell im Filialgeschäft, ihrem Kunden gegenüber zur Abwendung von Schäden verpflichtet. Sollte in der Bank die Aufklärung über eine seit zwei Jahrzehnten sattsam bekannte Betrugsmasche nicht oder nur oberflächlich erfolgt sein, kommt bereits ein Organisationsverschulden in Betracht. Versäumt es der Bankmitarbeiter trotz eines offensichtlichen Verdachts den Kunden aufzuklären und zu warnen, steht dem Kunden ein Schadenersatzanspruch gegenüber der Bank zu. Es kann und darf nicht sein, dass Banken ihre älteren Kunden, ohne vorher aktive Hilfe anzubieten, ins offene Messer von Trickbetrügern laufen lassen.