Loveparade-Prozess vor der Einstellung

Nach über 180 Tagen Verhandlung scheint es nun Gewissheit zu geben: Der Prozess um die Tragödie der Loveparade von 2010 soll eingestellt werden. Unter dem Deckmantel der „derzeitigen Situation“, der Corona-Pandemie, hat das Landgericht Duisburg den relevanten Verfahrensbeteiligten (Anklage und Verteidigung) vorgeschlagen, das Verfahren gemäß § 153 StPO zu beerdigen: „Einstellung wegen Geringfügigkeit“.

Obwohl der Vorsitzende Richter und die Staatsanwaltschaft immer versichert hatten, trotz der drohenden Verjährung im Juli 2020 „maximale Aufklärung“ bieten zu wollen, scheint der Prozess nun ein unrühmliches Ende nehmen zu wollen. Diese Meldung hat unsere Mandanten völlig unvorbereitet getroffen und sehr schockiert. Wir haben alles dafür getan, dass es nicht so weit kommt.

Die Angeklagten haben dem Vorschlag des Gerichts, wenngleich unter vorgeschobenem Protest in Erwartung eines möglichen Freispruchs, bereits zugestimmt. Auch die Anklagebehörde hat dem – höchstwahrscheinlich auch unter Personal- und Kostengesichtspunkten – nichts entgegenzusetzen.

Das Gericht erwägt nunmehr sogar, das wichtigste Beweismittel, die Anhörung des allgemein anerkannten Gutachters der Universität Wuppertal für Verkehrsströme, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach, unter den Tisch fallen zu lassen.

Hiergegen wendet sich die Kanzlei baum reiter & collegen gemeinsam mit weiteren Vertretern der Nebenklage, um ein Umdenken bei der Strafkammer zu erreichen. Sollte dies nicht gelingen, wird die Kanzlei im Interesse der Angehörigen darauf drängen, dass eine weitere Untersuchung oder jedenfalls Befragung des Gutachters im Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen stattfinden kann.

Für uns als Vertreter der Geschädigten und der Angehörigen der Verstorbenen ist der Abschluss des Verfahrens in dieser Art und Weise ein deprimierendes Ergebnis. Es öffnet uns jedoch die Augen, dass es neue Regelungen für den Umgang mit Großverfahren in Deutschland geben muss. Hierfür setzen wir uns weiterhin ein.