„Bosch-Enthüllungen“ belegen Kenntnis der Autohersteller
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„Bosch-Enthüllungen“ belegen Kenntnis der Autohersteller

20. Dezember 2022

Neue Unterlagen, welche die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am 17.11.2022 der Öffentlichkeit präsentiert hat, belegen, dass die deutschen Autobauer Audi, VW, Daimler und BMW seit langem über die Illegalität der verwendeten Abschalteinrichtungen Bescheid wussten. Denn diese wurden von den Autobauern bereits im Jahr 2006 bei der Robert Bosch GmbH gezielt in Auftrag gegeben – trotz rechtlicher Warnungen des Zulieferers Bosch. 

Treffen im Jahr 2006 

Am 14. September 2006 trafen sich Vertreter von Audi, VW, Daimler (damals noch DaimlerChrysler) und BMW, um über die Implementierung von unzulässigen Abschalteinrichtungen zu reden. Konkret ging es bei dem Treffen um die Absprache hinsichtlich unzulässiger Abschalteinrichtungen mit Bezug zu einem SCR-System. Im Protokoll des Treffens heißt es: „Die vorgeschlagene Adaption ist eine abgestimmte (VW, Audi, DC und BMW) Basis, die so (entsprechend Anlage 1) umgesetzt werden soll.“ 

Präsentation aus dem Jahr 2009 

Eine weitere Präsentation aus dem Jahr 2009 zeigt das genaue Vorgehen auf: So wird in einem Diagramm zwischen „Vorsteuerung“ und „Alternative(r) Vorsteuerung“ unterschieden, wobei eine Umschaltung gemäß bestimmter „Umschaltbedingungen“ wie Lufttemperatur, Kühlmitteltemperatur und Öltemperatur erfolgen soll.  

Verabredet wurde also eine „Umschaltlogik“, die anhand bestimmter Parameter zwischen Prüfstand und dem normalen Fahrbetrieb unterscheiden sollte, damit auf dem Prüfstand die NOx-Grenzwerte eingehalten wurden, nicht jedoch im Realbetrieb. Zum Schluss erfolgt die etwas verklausulierte, aber für die Beteiligten eindeutige Warnung, dass die „Applikation Auswirkungen auf die Einhaltung behördlicher Vorschriften (…) haben kann.“ 

Anschließend wurde – um den Beteiligten die zu erwartenden Folgen des rechtswidrigen Handelns noch einmal unmissverständlich vor Augen zu führen – als Beispiel die Reaktion der US-Behörden auf eine Umschaltfunktion des Herstellers Toyota aus dem Jahr 2002 präsentiert. Die Behörden hatten – nachdem sie die Funktion, die zwischen Prüfstand und Fahrbetrieb unterschied, entdeckt hatten – eine Millionenstrafe gegenüber Toyota verhängt und das Unternehmen zudem zur Umrüstung seiner Modelle verpflichtet. Unmissverständlich heißt es in diesem Zusammenhang in der Präsentation: „Applikationsverantwortung sowie Rechtfertigung der Funktion selbst liegt beim Kunden“.  

Oktober 2015: Der Bosch-Vorstand wird informiert  

Am 2. Oktober 2015 ließ sich zudem der Bosch-Vorstand berichten, wie viele unterschiedliche unzulässige Abschalteinrichtungen für welche Automobilhersteller mit welchen Umschaltparametern entwickelt wurden. Insgesamt waren dies 44 Funktionen. Dabei werden nicht nur die Kunden benannt, die diese Applikationen verwenden, sondern auch eindeutige Aussagen, dass viele dieser Applikationen rechtswidrig sind. So ist bei zahlreichen Applikationen vermerkt: „Reduzierung über Bauteilschutzgründe hinaus“, „SOF-Funktion kann indirekt als Timer für Zykluserkennung verwendet werden“, „Zyklusoptimierung: Weniger Harnstoffverbrauch“, „Optimierung im Zyklusbereich“, „Könnte für Rollenbetriebserkennung verwendet werden“, „Verstoß gegen OBD-Vorschriften“.  

Ob sich die Autohersteller angesichts dieser Enthüllungen weiterhin darauf berufen können, sie seien bei der Verwendung der Abschalteinrichtungen davon ausgegangen, diese seien legal, ist äußerst fraglich.  

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