Auto-Skandal: Neue Kartellvorwürfe können Schadenersatz begründen

Nach aktuellen Berichten sollen große deutsche Automobilkonzerne (VW, Audi, Porsche, BMW, Daimler) in geheimen Arbeitskreisen Absprachen über Technik, Kosten und Zulieferer getroffen haben. Sollte sich dieser Vorwurf bestätigen, könnten betroffene Kunden weiteren Schadenersatz verlangen.

Düsseldorf, 25. Juli 2017

Manipulierte Diesel-Abgaswerte bei VW, Schummel-Abgasreinigung bei Daimler, mögliche Gesundheitsschädigungen der Bürger – der Skandal um deutsche Automobilhersteller hat sich in letzter Zeit ständig ausgeweitet. Nun kommt offenbar ein neues Kapitel hinzu: Wie der „SPIEGEL“ aktuell berichtet hat, sollen die großen deutschen Automobilkonzerne VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler in Gesprächsrunden Absprachen über Technik, Kosten und Zulieferer getroffen haben. Insbesondere sollen sie sich auf kleine AdBlue-Tanks geeinigt haben, mit denen Dieselabgase gereinigt werden sollen.

Hier finden Sie ausführliche Informationen zum Diesel-Abgasskandal

Wenn sich dies bewahrheitet, haben die Hersteller gezielt den Wettbewerb außer Kraft gesetzt und ihren Kunden womöglich zu hohe Preise in Rechnung gestellt. Auch Zulieferer dürften geschädigt worden sein. Zudem würde dies bedeuten, dass die Autohersteller gemeinsam nach Wegen gesucht haben, um eine effektive Abgasreinigung zu verhindern.

„Mit den jetzigen Erkenntnissen weitet sich der Skandal aus“, sagt Professor Julius Reiter von der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf, die gemeinsam mit der Berliner Kanzlei Gansel Rechtsanwälte mehrere Tausend VW-Kunden vertritt. Das habe Konsequenzen für hunderte laufende Schadensersatz- und Rückabwicklungsklagen gegen VW wegen des Einbaus der Schummelsoftware – aber auch für mögliche Ansprüche gegen andere Hersteller. „Jeder Kunde, der wegen wettbewerbswidriger Absprachen zu viel Geld für sein Auto bezahlt hat, kann dies zurückverlangen. Wir werden daher die weiteren Erkenntnisse genau beobachten und auswerten.“

Reiters Kanzleipartner, der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum, sieht auch die Politik in der Pflicht: „Die lange Bevorzugung der Diesel-Technologie muss ein Ende haben. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bundesregierung im Gegensatz zur EU-Kommission nicht auf Seiten der geschädigten Verbraucher steht. Außerdem zeigt sich, dass wir dringend eine Musterklage für Verbraucher benötigen: Es kann weder der Vielzahl der betroffenen Kunden noch den Gerichten zugemutet werden, sich in jedem Einzelfall mit Schadenersatzansprüchen wegen Kartellverstößen auseinanderzusetzen. Verbraucherschutz in Deutschland ist sonst zur Farce geworden.“